Karl Heinz Knoedler
Zum 100. Geburtstag von Karl Heinz Knoedler
ELLWANGEN. SEINE STADT.
Sonderausstellung mit selten gezeigten Arbeiten von Karl Heinz Knoedler
Ein Künstler schaut auf seine Stadt.
Menschen, die sich der Kunst verschrieben haben, werden auf besondere Weise unsterblich. Sie hinterlassen Spuren, auf die die Nachwelt blickt. Der Ellwanger Maler, Bildhauer und auch in Grafik bewandte Künstler Karl Heinz Knoedler hat seine Schaffenskraft immer wieder seiner Stadt gewidmet. So entstanden über Jahrzehnte Ansichten, ja Porträts, die Ellwangen in besonderem Licht zeigen.
Die Türme, die Häuser, das Flair der Stadt – immer erkennbar, doch jeder Fotografie überlegen. So sind es Farben des inneren Auges, aufstrebende Türme und wogende Dachlandschaften, festgehalten mit kräftigem oder feinem Pinselstrich.
Karl Heinz Knoedler war ganz Bürger seiner Stadt. Sie gab ihm ein Zuhause, sie bot ihm „Mauern, die mich halten“, wie der Künstler immer wieder sagte. Heimkommen nach Kriegsgefangenschaft in Frankreich, dem Studium, später nach Reisen in die Welt, das war Karl Heinz Knoedler wichtig. Sein oft von den Zeitläuften getriebener und erschütterter Geist brauchte die Ruhe und die Geborgenheit der Stadt und ihre Jahrhunderte alte Geschichte.
Künstlerwohnung und Atelier im Schloss ob Ellwangen bezog Karl Heinz Knoedler mit seiner Frau Anna in den Fünfzigerjahren. Die Fenster lassen den schönsten Blick auf die Stadt zu. Wer das Glück hatte, bei Anna und Karl Heinz zu Gast zu sein, durfte den Blick teilen. Und viel mehr als das: unvergessen die herzliche Gastfreundschaft, die intensiven Gespräche. Der Künstler ließ es auch zu, ihn in sein Atelier zu begleiten. Werke im Entstehen zu sehen, war ein besonderes Privileg. Auf der Staffelei eine Ansicht von Ellwangen, dann der Blick aus dem Fenster auf die Stadt. Eine Schule des Sehens. Genau diese Möglichkeit bietet sich jetzt den Besuchern mit der Ausstellung zum 100. Geburtstag Karl Heinz Knoedlers.
Die Gemälde stammen zu einem großen Teil aus Privatbesitz. Also eine seltene Gelegenheit, die Ansichten von Ellwangen in dieser Fülle zu betrachten.
Rosa Wetscher
Karl Heinz Knoedler wurde am 15. Januar 1926 in Ludwigsburg geboren.
Bereits 1940 begegnete er dem Bildhauer Ernst Neumeister in Stuttgart, der fortan für seine künstlerische Entwicklung prägend war. Nach Rückkehr aus der französischen Gefangenschaft im Jahre 1947 begann er in Stuttgart bei dem Maler Walter Wörn Aktzeichnen.
Ab 1949 nahm er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Sohn, Henninger und Baumeister auf. Im Jahr 1950 Studienzeit bei Fernand Léger und Begegnungen mit Utrillo, Quizer, Sartre und dem Architekten Perret. 1951 nahm er an einer ersten Gruppenausstellung im Salon d´ hiver und im Salon des indépendants im Grand Palais in Paris teil.
1953 wird Ellwangen Wohnsitz des Künstlers. Ab 1953 folgen zahlreiche Aufträge für Kirchenfenster, Bronzeplastiken, Plastiken aus Beton, Kunst im öffentlichen Raum und künstlerische Gestaltung von Bauten. 1955 heiratet er Anna Maria Zeller. Erster malerischer Höhepunkt stellt eine Serie mit südlichen Landschaftsmotiven aus den Jahren 1955 – 1956 dar. Ab 1960 verlegt Karl Heinz Knoedler Wohnung und Atelier in das Schloss ob Ellwangen. Knoedlers Arbeiten verdichten sich nach einer Romreise 1963 zur Abstraktion und es zeigt sich eine immer stärker werdende Tendenz zu einer freieren Gestaltung. Ab Mitte der 60er Jahre finden sich überwiegend organisch-geometrische Formen in seinen malerischen Arbeiten. In den 70er Jahren entstehen konstruktive, großformatige Bilder (Hard Edge Malerei) und parallel dazu gestaltet Knoedler große Architekturensembles.
Ab 1979 beginnt die Serie „Kosmogramme“ und damit eine Phase, in der sich der Künstler sämtlicher bis dahin erworbener Fähigkeiten bedient. „Knoedler versteht die Bilder dieser Jahre als Warnzeichen gegen die Hybris der menschlichen Natur, gegen das grenzenlose, unbeschränkte technologische und wirtschaftliche Wachstum, und nicht zuletzt gegen die zerstörerische Macht der Technik“ (Hermann Schludi in Karl Heinz Knoedler - Kreativität im Widerspruch).
Ab 1984 entwickelt der Künstler zahlreiche weitere Serien, unter anderem mit den Themen „Die vier Elemente“, „Turmbau“, „Tore Jerusalems“, „Der Golf brennt“, „Kosovo“ und „Torri“. Große Ausstellungen in Langres, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd, Kapfenburg (Lauchheim), in der Hipp-Halle in Gmunden-Traunsee und in Ellwangen folgen. Im August 2000 wird Karl Heinz Knoedler die Bürgermedaille der Stadt Ellwangen verliehen.
Er verstirbt am 2. November 2000 in Ellwangen.



